Der Dampf stand noch über dem Brettchen, als ich die Bohnen aufschnitt — dieser grasige, leicht herbe Geruch, der sagt: jetzt, nicht morgen. Kein süßliches Nachdrängen. Rein.
Heute vom Markt: die ersten Prinzessbohnen der Saison, von Frau Kessler am zweiten Stand. Sie hat sie selbst gepflückt, sagt sie, noch am frühen Morgen. Das glaube ich ihr — sie brechen mit diesem klaren, trockenen Knacken, den nasse oder alte Bohnen nicht haben. Die Hülsen fühlen sich fest an, nicht sehnig, noch ohne Faden.
Ich wollte sie kurz blanchieren, dann in Butter schwenken mit gehacktem Bohnenkraut vom Hofladen. Das Öl war zu heiß. Ich hatte Rapsöl genommen, weil die Butter ausging, und dann war es schon zu spät — die äußeren Hüllen bekamen Farbe, bevor das Innere weich werden konnte. Ich habe die Pfanne vom Herd gezogen, einen Moment gewartet, dann weitergemacht. Das Ergebnis war anders als geplant: außen knusprig bricht die Hülle, innen noch mit Biss, fast ein wenig roh am Kern. Nicht schlecht. Nur überraschend.
Das Bohnenkraut zog im restlichen Öl nach — kräuterig, fast harzig, mit einem langen Abgang. Ich streute etwas grobes Meersalz drüber, zu viel davon, und musste Brot nehmen, um das aufzufangen. Das Brot war schon trocken, aber geröstet zog es diese säuerliche Tiefe nach, die ich an altem Sauerteig mag.
Dazu Pellkartoffeln vom Vortag, in der Schale gebraten bis sie mürbe zerfielen. Das Ergebnis war bescheiden, aber vollständig. Drei Sachen auf dem Teller, alle mit Geschichte.
Meine Großmutter hätte die Bohnen anders gezogen — länger, weicher, mit Speck. Ich denke manchmal daran, wenn ich Bohnen koche. Ihre Küche roch immer nach Schwarte und Thymian. Meiner riecht nach Raps und Essig.
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