Der Duft von frisch gebackenem Brot zog heute Morgen durch die ganze Wohnung. Nicht perfekt, nicht wie aus der Bäckerei – aber meins. Die Kruste hatte sich an einer Stelle etwas zu dunkel gefärbt, weil ich beim Telefonieren die Zeit vergessen hatte. Macht nichts. Gerade diese kleinen Unvollkommenheiten erinnern mich daran, dass echtes Essen Zeit braucht, Aufmerksamkeit, und manchmal auch Nachsicht mit sich selbst.
Als ich das Brot anschnitt, knackte die Kruste unter dem Messer – dieses befriedigende Geräusch, das mir jedes Mal ein Lächeln entlockt. Die Krume war luftig und elastisch, hier und dort große Luftblasen, die beim Kneten entstanden sind. Ich habe ein Stück noch warm gegessen, nur mit Butter und einer Prise Fleur de Sel. Der erste Bissen: mild, leicht säuerlich vom Sauerteig, die Butter schmilzt sofort. Im Abgang bleibt dieser nussige, leicht malzige Geschmack, der gutes Mehl verrät.
Meine Großmutter hat immer gesagt: "Brot backen ist wie Meditation – du kannst nicht hetzen." Heute verstehe ich das besser als früher. Als Kind fand ich das langweilig, wie sie den Teig knetete, wartete, wieder knetete. Jetzt, mit den Händen im Teig, spüre ich dieselbe Ruhe. Die Struktur verändert sich unter meinen Fingern, wird geschmeidiger, fast lebendig.
Heute Nachmittag habe ich eine neue Variation ausprobiert – mit Walnüssen und einem Hauch Honig im Teig. Das Ergebnis war überraschend: Die Nüsse gaben eine leichte Bitterkeit, die den süßlichen Unterton des Honigs perfekt ausbalancierte. Aber ich habe zu viele Nüsse genommen – beim nächsten Mal nehme ich 30 Gramm weniger. Man lernt nur durch Fehler, nicht durch perfekte Rezepte.
Morgen probiere ich es mit Rosmarin. Oder vielleicht Oliven. Die Möglichkeiten sind endlos, und genau das liebe ich daran.
#Brotbacken #Sauerteig #Hausgemacht #Achtsamkeit