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© 2026 Storyie
paul
@paul

May 2026

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2Saturday

Heute Morgen habe ich beim Kaffeekochen gemerkt, dass ich die Kaffeemenge dreimal nachgemessen habe. Nicht weil ich unsicher war — ich weiß, wie viel ich nehme — sondern weil ich irgendwo nicht ganz da war. Schultern ein wenig hochgezogen. Atem flach, irgendwo oben in der Brust.

Ich habe danach gesessen und versucht, das auseinanderzuhalten. Körperempfinden: eine leichte Enge im Brustkorb, Augenmüdigkeit, obwohl ich sieben Stunden geschlafen habe. Gedanke: Nächste Woche beginnt die Supervision. Stimmung: etwas, das ich vorläufig als „gedämpfte Erwartung" bezeichnen würde — kein klares Unbehagen, aber auch keine Leichtigkeit.

Der Schlaf war eigentlich gut. Kein Bildschirm in der letzten Stunde. Magen war ruhig. Aber gestern Abend hatte ich ein langes Gespräch mit meiner Schwester, das sich freundlich angefühlt hat und trotzdem etwas hinterlassen hat — ich kann es noch nicht benennen. Sie hat gefragt, ob ich wirklich weiß, was ich von meiner Arbeit will. Ich habe geantwortet, aber die Antwort war eher eine Geste als eine echte Aussage.

Ich versuche seit Montag ein kleines Experiment:

  • Hypothese: Wenn ich vor der Arbeit zwanzig Minuten spaziere, komme ich konzentrierter an.
  • Zeitraum: eine Woche, bis Sonntag.
  • Prüfmethode: kurze Notiz nach den ersten zwei Arbeitsstunden — wie ist die Aufmerksamkeit, wie ist der Körper.
  • Stand heute: von fünf Tagen habe ich es an drei durchgeführt. An den anderen zwei hat es geregnet, und ich habe entschieden, dass Regen kein Ausschlussgrund sein sollte. Das nehme ich als Hinweis auf meine eigene Konsequenz — nicht als Beweis für etwas.

Ob ich meiner Schwester nächste Woche wirklich antworte — das lasse ich noch offen. Ich beobachte erst, ob der Gedanke von alleine wiederkommt.

#Innenleben #KleinesExperiment #Selbstbeobachtung #Supervision

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13Wednesday

Heute Morgen, kurz vor acht, stand ich am Fenster und wartete auf das Wasser für den Kaffee. Die Schultern waren hoch – das habe ich erst bemerkt, als ich sie bewusst losließ. Kein besonderer Grund, dachte ich zuerst. Dann fiel mir ein, dass ich gestern Abend länger als geplant auf den Bildschirm geschaut hatte, wahrscheinlich bis halb zwölf.

Gedanke dazu: ich habe das verdient, nach einem langen Tag. Stimmung heute früh: leicht gereizt, ohne Objekt. Körper: Schultern oben, Atem flach, ein leises Ziehen hinter den Augen. Diese drei Dinge hängen vielleicht zusammen – oder ich nehme einmal an, dass sie das tun.

Ich teste gerade, ob früheres Abschalten des Bildschirms (vor 22:00 Uhr) die Stimmung am nächsten Morgen verändert. Das läuft seit Montag.

  • Hypothese: Weniger Bildschirm am Abend → ruhigerer Morgen, weniger Körperspannung beim Aufwachen.
  • Zeitraum: Eine Woche, also bis Sonntag.
  • Prüfmethode: Kurznotiz morgens, bevor ich das Telefon anschaue – Schultern, Atemtiefe, erste Stimmungsfärbung.
  • Stand heute (Tag 3): Gestern hielt ich die Grenze nicht. Heute ist schlechter als die ersten beiden Tage.

Ob das eine kausale Verbindung ist oder nur Zufall, weiß ich noch nicht. Drei Tage sind zu wenig, und eine einzige Ausnahme ist kein Muster.

In der Supervision am Nachmittag hat mich eine Frage der Supervisorin länger beschäftigt als erwartet: ob ich weiß, wann ich einem Patienten Abstand gebe, weil es ihm nützt, oder weil ich selbst gerade wenig Raum habe. Körper: ein kurzes Wärmen im Gesicht. Gedanke: das unterscheide ich nicht immer klar. Stimmung: nicht unangenehm – eher wie nach einem kleinen Stoß von außen, der die eigene Position sichtbar macht.

Ich werde das noch eine Weile offenlassen. Morgen früh: Schultern, Atem, Stimmung – und ob die gestrige Ausnahme im Experiment überhaupt relevant ist oder ob ich ihr zu viel Gewicht gebe.

#Selbstbeobachtung #KleinesExperiment #Innenleben #Körpersignale

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14Thursday

Heute Morgen in der U-Bahn stand ich neben einem Mann, der laut in sein Telefon sprach – nichts Dramatisches, nur laut. Ich merkte, wie sich meine Schultern hoben. Der Atem wurde flacher. Dann der Gedanke: Er sollte das nicht tun. Und darunter, etwas schwerer, ein Gefühl, das ich nicht sofort benennen konnte – vielleicht eine Art kleiner Erschöpfung, die schon vorher da war.

Ich frage mich, ob der Mann der Auslöser war oder nur der letzte Tropfen. Die Schultern waren schon vor dem Einsteigen ein bisschen hochgezogen – ich erinnere mich jetzt daran. Schlechter Schlaf, gestern zu spät gegessen. Die Zuordnung fällt mir schwer: War das Körperempfinden der Ursprung der Gereiztheit, oder hat die Gereiztheit den Körper erst eingestellt?

Seit zehn Tagen führe ich ein kleines Experiment durch:

  • Hypothese: Wenn ich vor 22:30 Uhr zu Bett gehe, ist die Reizschwelle am nächsten Morgen messbar höher.
  • Zeitraum: zwei Wochen.
  • Prüfmethode: kurze Notiz beim Frühstück – eine Zahl von 1 bis 5 für „Wie schnell kam heute die erste Ungeduld?"
  • Stand heute: Gestern war ich erst um 23:15 Uhr im Bett. Heute: 2 von 5.

Es ist kein Beweis, ich weiß. Aber die Tendenz ist interessant genug, um weiterzumachen.

Was ich noch nicht entschieden habe: ob es das Telefon am Abend ist oder die späte Bettzeit selbst. Vielleicht ist es beides. Vielleicht ist es weder das eine noch das andere, sondern wie viel ich gestern Abend geredet habe – das war mehr als sonst.

Eine Frage, die ich mitnehme: Wann merke ich eigentlich, dass ich müde bin – und wann entscheide ich trotzdem, noch weiterzumachen?

#Schlaf #Reizschwelle #KleinesExperiment #Selbstbeobachtung

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