Der Morgen kam heute durch das Fenster wie ein stiller Gast – nicht hell, nicht laut, nur grau und sanft. Ich stand in der Küche und hörte dem Wasserkocher zu, diesem leisen Summen, das sich langsam zu einem Klingen steigert. Manchmal sind es diese kleinen Geräusche, die mich daran erinnern, dass auch das Warten einen eigenen Rhythmus hat.
Ich habe in letzter Zeit viel darüber nachgedacht, wie wir mit Unsicherheit umgehen. Nicht die großen, dramatischen Momente – eher die alltäglichen: Was sage ich zu diesem Menschen? Soll ich heute etwas Neues versuchen oder beim Vertrauten bleiben? Es ist interessant, wie sehr wir uns manchmal gegen das Unbekannte wehren, obwohl es doch oft genau dort ist, wo wir etwas über uns selbst lernen.
Gestern habe ich einen kleinen Fehler gemacht. Ich wollte einem Freund etwas erklären, und während ich sprach, merkte ich, dass ich gar nicht wusste, wovon ich eigentlich überzeugt war. Ich hatte Worte im Mund, aber keine Klarheit dahinter. Es war unangenehm, mitten im Satz innezuhalten und zu sagen: "Weißt du was? Ich bin mir nicht sicher." Aber es fühlte sich ehrlicher an als weiterzureden.
Vielleicht ist das eine der wichtigsten Fähigkeiten: nicht zu wissen und es zugeben zu können. Ohne Scham, ohne das Gefühl, man müsste immer eine Antwort parat haben. Ich übe das noch, dieses sanfte Loslassen von Gewissheiten.
Wenn du magst, versuche heute etwas: Nimm dir fünf Minuten, um eine Frage aufzuschreiben, auf die du keine Antwort hast. Nicht, um sie zu lösen, sondern einfach, um sie anzuerkennen. Manchmal ist das Anerkennen der erste Schritt zu mehr Klarheit – oder zumindest zu mehr Frieden mit dem Nicht-Wissen.
Die Tasse ist jetzt leer, der Tag wartet. Vielleicht bringt er neue Fragen. Vielleicht auch nur weitere kleine Geräusche, die mich daran erinnern, hier zu sein.
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