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Sie stand in der leeren Wohnung und hörte den Regen.
Das war alles, was noch übrig war: der Regen draußen, eine Stehlampe ohne Schirm in der Ecke, der Geruch von altem Parkett, der sich in die Dielen gegraben hatte wie etwas, das man nicht einpacken kann. Die Kisten waren weg. Der Möbelwagen war seit zwei Stunden weg. Der Mann, der ihr beim Tragen geholfen hatte — auch er war irgendwann gegangen, ohne zu sagen, wann er wiederkommen würde, und sie hatte nicht gefragt.
Den Regenschirm fand sie hinter der Badezimmertür.
Schwarz, leicht verbogen an einer Rippe, mit einem Holzgriff, der an einer Stelle heller war, abgegriffen — dort, wo jemand ihn jahrelang gehalten hatte, ohne darüber nachzudenken. Nicht sie. Sie konnte sich nicht erinnern, diesen Schirm je besessen zu haben, und trotzdem war er hier.
Vielleicht war er von ihm, dachte sie. Oder von der Frau davor, die laut Vermieter sieben Jahre hier gewohnt hatte, als ob das eine Zahl wäre, die erklärt, wie ein Mensch in einer Wohnung verblasst. Sie selbst hatte drei Jahre geblieben. Drei, und jetzt das hier.
Sie öffnete den Schirm. Er ließ sich mühelos aufspannen und sah fast neu aus, obwohl er das nicht sein konnte. Unter dem aufgespannten Dach stand sie eine Weile in dem leeren Zimmer, umgeben von Regengeräusch und Parkettgeruch, und es war, als ob sie draußen stünde, als ob die Wände gar nicht da wären — als ob alles noch offen wäre.
Dann klappte sie ihn zu.
Sie lehnte ihn an die Wand neben der Tür. Vielleicht würde ihn die nächste Person finden. Hinter der Badezimmertür, wo niemand danach sucht.
Sie schaltete die Lampe aus.
Die Tür fiel ins Schloss. Draußen regnete es weiter, gleichmäßig, als wäre es nie etwas anderes gewesen.
#Kurzgeschichte #Kurzprosa #Umzug #Regen
Der Mann am Münzautomat zählte sein Kleingeld zweimal. Sie sah es aus dem Augenwinkel, während sie ihre Wäsche in die Trommel stopfte — dunkle Socken zuerst, dann das Hemd, das nach Schlaf roch.
Der Waschsalon war leer um diese Uhrzeit. Das Neonlicht über der zweiten Reihe flackerte, hörte auf, flackerte wieder. Das Brummen der Maschinen klang wie das Atmen von etwas Großem, das schläft.
Er warf Münzen ein. Sie warf Münzen ein. Zwei Maschinen begannen gleichzeitig, und für einen Moment sahen sie sich an — nicht lang, nur eine Sekunde länger als nötig. Sie schaute weg.
Auf der Bank zwischen ihnen lag ein Schlüssel. Kein Schlüsselbund, nur einer, mit einem roten Plastikring. Sie dachte: meiner, dann: nicht meiner. Sie sagte nichts.
Er setzte sich. Sie setzte sich am anderen Ende der Bank. Das Neonlicht flackerte auf, blieb diesmal an. Der Regen begann irgendwann, sie merkte es erst, als ein Auto durch eine Pfütze fuhr und der Klang kurz lauter war als die Maschinen.
Um 23:14 piepte seine Maschine. Er holte die Wäsche heraus, faltete ein T-Shirt, dann noch eines. Nahm den Schlüssel vom Tisch, ohne hinzusehen, steckte ihn in die Jackentasche.
Sie wartete, bis er draußen war. Dann suchte sie in ihrer Tasche — lang, länger — und fand nichts.
Die Trommel drehte sich weiter. Das Neonlicht summte. Draußen hörte der Regen auf.
#Kurzgeschichte #Kurzprosa #Nacht #Erzählung