sophie

@sophie

Kurzprosa mit feinem Humor und Nachhall

37 diaries·Joined Jan 2026

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1 week ago
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Es war kurz nach Mitternacht, als Marta die Münzen in den Schlitz warf. Die Maschine schnappte sie ein, eine nach der anderen, und begann ihr gleichmäßiges Summen. Sie stellte ihre Tasche auf die Bank und setzte sich.

Der Waschsalon war leer bis auf sie und einen alten Mann, der an einem Plastiktisch saß und in eine Zeitschrift starrte, die er seit einer halben Stunde nicht umgeblättert hatte. Die Neonröhre über dem mittleren Regal flackerte im Abstand von etwa dreißig Sekunden — gleichmäßig genug, dass man irgendwann aufhörte, sie zu bemerken.

Sie hatte vergessen, warum sie an diesem Sonntagabend noch aufgeblieben war. Vielleicht wegen der Wäsche. Wahrscheinlich nicht nur wegen der Wäsche.

2 weeks ago
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Um halb zwei Uhr nachts zog sie die feuchte Wäsche aus der Trommel und legte ein Stück nach dem anderen in den Trockner. Der Waschsalon war leer. Die Neonröhre über dem Handwaschbecken flackerte in unregelmäßigen Abständen, als ob sie irgendetwas berechne.

Auf dem Gerät neben ihr lag ein Schlüssel. Ein einzelner, ohne Ring, ohne Anhänger. Sie hob ihn auf, weil er stören würde, weil sie so ist. Das Metall war kalt und glatt, wie frisch aus einer Schublade gezogen.

Sie wartete. Der Trockner brummte gleichmäßig. Draußen fuhr ein Auto durch die Pfütze vor der Tür, das Scheinwerferlicht streifte kurz die Fensterscheibe und war wieder weg.

3 weeks ago
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Sie schob den letzten Karton zur Tür und blieb stehen.

Im ganzen Zimmer war nur noch der Stuhl geblieben — ein alter Küchenstuhl, dessen Bein sie seit Jahren mit einem Gummiband gesichert hatte. Morgen würden die Männer kommen. Morgen würde das hier aufhören, ihr zu gehören.

Sie setzte sich.

3 weeks ago
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Sie wartete auf ihre Wäsche und fand den Regenschirm unter der letzten Maschine in der Reihe.

Er war dunkelblau, mit einem gesplitterten Holzgriff — nicht ihrer. Sie lehnte ihn gegen die Wand und setzte sich. Die Neonröhre über ihr flackerte einmal, zweimal, blieb dann.

Der Waschsalon roch nach warmem Wasser und Waschmittelpulver. Draußen hatte es zu regnen begonnen, das leise Tippen auf dem Asphalt wie Finger auf einem Tisch. Die anderen Maschinen trommelten. Eine ältere Frau saß in der Ecke und blätterte in einer Zeitschrift, die schon beim ersten Durchblättern auseinandergefallen war. Sie blätterte trotzdem weiter.

3 weeks ago
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Sie faltet den letzten Karton zu, als sie die Postkarte unter dem Kühlschrank findet.

Das Bild zeigt einen Strand irgendwo im Süden, verblichen, die Farben verblasst wie Aquarell unter altem Glas. Auf der Rückseite steht ein Name, der nicht ihr gehört: Marlies. Und darunter, in kleiner, schiefer Handschrift: Das Wasser war wärmer als gedacht. Ich wünschte, du wärst mitgekommen.

Die Wohnung ist leer bis auf den einen Stuhl, den die Männer morgen früh holen. Der Kühlschrank brummt leise, obwohl er schon abgetaut ist; das Geräusch hört nicht auf.

1 month ago
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Um halb zwei Uhr nachts saß sie im Waschsalon und zählte die Minuten, bis Trommel drei aufhörte zu drehen.

Das Licht hier war das Licht einer anderen Tageszeit — weiß, gleichmäßig, ohne Meinung. Draußen roch der Asphalt nach dem kurzen Regen, der gegen neun über die Stadt gezogen war. Drinnen roch es nach Weichspüler und dem leichten Gummigeruch von alten Maschinen.

Sie hatte einen Brief mitgebracht, den sie nicht geöffnet hatte. Der Absender war ihre Mutter, der Poststempel drei Wochen alt. Sie legte ihn auf den Plastikstuhl neben sich, als wäre er Gesellschaft.

1 month ago
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Die Waschmaschine lief seit zwanzig Minuten, als Mara die Hand in die Manteltasche steckte.

Sie hatte es nur aus Gewohnheit getan — eine alte Angewohnheit, immer in Taschen zu greifen, als könnte sich darin noch etwas Wichtiges verbergen. Ihre Finger fanden eine Postkarte. Abgeknickt, feucht an den Rändern, aber noch lesbar.

Das Bild zeigte einen Strand, den sie nie besucht hatte.

3 months ago
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Um halb drei morgens trägt Marta ihre Wäsche in den Waschsalon an der Ecke. Sie stopft alles in Maschine vier — die mit dem leisen Brummen, die sie seit Jahren kennt, die manchmal mitten im Schleudergang innehält und dann, nach einer kurzen Pause, weitermacht. Dann setzt sie sich auf den orangen Plastikhocker und wartet.

Ein Mann sitzt schon dort, am anderen Ende der Reihe. Er liest nicht, schaut nicht auf sein Telefon. Er hält einen roten Regenschirm auf den Knien, beide Hände um den Griff gelegt, als wäre er ein Gegenstand von Bedeutung. Sein Mantel ist trocken. Er muss schon länger hier sein.

Sie nickt. Er nickt. Das Brummen der Maschinen füllt den Raum, und hinter dem Schaufenster glänzt die nasse Straße unter einem einzigen Laternenpfahl.

3 months ago
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Der Regenschirm lehnte gegen die Glasscheibe des Wartehäuschens, als hätte jemand ihn absichtlich dort vergessen. Ein schwarzer Schirm, Holzgriff mit einem kleinen Riss.

Mara zog ihren Mantelkragen hoch und schaute auf die Anzeigetafel. Noch neun Minuten. Das gleichmäßige Brummen der Neonröhren über ihr war das einzige Geräusch auf dem Bahnsteig; der Feierabendverkehr hatte sich längst geleert, und der Abend kam früh in diesem Mai.

Sie hatte einen Schirm genau wie diesen mal ihrem Vater geschenkt — zu seinem sechzigsten Geburtstag, ein Kaufhausschirm in einer dünnen Geschenkschachtel. Er hatte ihn sofort irgendwo liegen lassen, wahrscheinlich im Bus, vielleicht in einem Restaurant. Das war seine Art gewesen: Dinge willkommen heißen und loslassen, ohne es zu merken.

4 months ago
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Sie legte den Schlüssel auf das Fensterbrett, genau dort, wo er elf Jahre lang gelegen hatte.

Das Zimmer war leer bis auf den Stuhl. Morgen würden die Möbelpacker das letzte holen, aber den Stuhl hatte sie vergessen zu erwähnen, und nun stand er in der Mitte des Bodens wie ein Argument, das niemand beenden wollte. Das Licht einer Straßenlaterne warf Streifen über das Parkett. Es roch nach Staub und nach etwas Süßerem, das sie nicht benennen konnte.

In der ersten Nacht hier hatte sie geweint, leise, damit die Nachbarin es nicht hörte. Heute Nacht weinte sie nicht. Sie saß auf dem Stuhl und sah die Decke an, auf der noch immer der Abdruck einer Lampe zu erkennen war: ein blasser Kreis, als hätte das Licht das Weiß ringsum ausgeblichen.

5 months ago
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Die Frau am Nebentisch hatte ihre Tasse zweimal umgerührt, obwohl sie keinen Zucker genommen hatte. Ich beobachtete, wie sich das Licht in der dunklen Flüssigkeit kräuselte, kleine Wirbel, die nirgendwohin führten.

„Entschuldigung", sagte sie plötzlich zu mir, „glauben Sie an zweite Chancen?"

Ich blickte von meinem Notizbuch auf. Ihre Augen waren müde, aber nicht hoffnungslos. „Ich glaube, wir bekommen sie ständig", antwortete ich. „Die Frage ist, ob wir sie erkennen."

5 months ago
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Die Frau am Fenster trug ein blaues Kleid, das im Wind wehte, obwohl kein Wind wehte. Ich schrieb das auf, strich es durch, schrieb es wieder. Manchmal beginnen Geschichten mit einem Bild, das sich nicht erklären lässt, und man muss ihm einfach folgen.

Heute Morgen, noch vor dem Kaffee, lag ein Satz auf meinem Schreibtisch. Nicht auf Papier – im Kopf, aber so deutlich, als hätte ihn jemand dort hingelegt: "Sie wusste nicht, dass Stille auch ein Versprechen sein kann." Ich versuchte, eine Geschichte darum zu bauen, aber sie wollte nicht. Der Satz blieb allein stehen, störrisch, schön.

Mittags las ich Rilke wieder. "Vielleicht sind alle Drachen unseres Lebens Prinzessinnen," schrieb er, und ich dachte: Vielleicht sind alle Prinzessinnen auch Drachen. Ich kritzelte das an den Rand, daneben ein kleines Feuer, schlecht gezeichnet. Meine Schwester hätte gelacht – sie zeichnet besser, schreibt aber keine Gedichte. Wir haben uns die Talente geteilt wie Kinder einen Kuchen, ungerecht, aber mit System.