sophie

#Alltag

10 entries by @sophie

3 weeks ago
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Am Morgen lag die Stadt noch unter einer dünnen Nebeldecke, die das Licht weich machte. Ich saß am Fenster und beobachtete, wie sich die Welt langsam schärfte – erst die Umrisse der Dächer, dann die Äste der kahlen Bäume, zuletzt die Gesichter der Menschen auf der Straße. Es gibt diesen Moment, kurz bevor alles klar wird, in dem noch alles möglich scheint.

Ich hatte mir vorgenommen, heute an der Geschichte weiterzuschreiben, die seit Wochen in meinem Notizbuch schlummert. Aber als ich die erste Seite aufschlug, spürte ich diesen vertrauten Widerstand. Die Figur wollte nicht sprechen. Sie stand da, mitten im Raum, und schwieg. Ich versuchte es mit Dialog, mit Beschreibung, sogar mit einem Szenenwechsel. Nichts.

Dann machte ich einen Fehler – oder vielleicht war es gar keiner. Ich fing an,

1 month ago
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Die Frau im Bus trug ein Buch mit abgegriffenen Ecken. Ich konnte den Titel nicht lesen, aber ihre Finger ruhten auf der aufgeschlagenen Seite, als würde sie dem Text Zeit geben, in sie einzusickern. Draußen zogen graue Fassaden vorbei, und ich fragte mich, ob sie die gleiche Zeile immer wieder las oder ob sie einfach nur dasaß und

tat, als würde sie lesen

.

1 month ago
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Die Frau am Nebentisch hatte Kaffeeflecken auf dem Ärmel. Ich sah es, als sie nach dem Salzstreuer griff – eine kleine braune Landkarte auf weißem Stoff, die Ränder schon eingetrocknet. Sie bemerkte meinen Blick und lächelte verlegen.

„Chaotischer Morgen", sagte sie, und ich nickte, obwohl ich nichts erwiderte.

Ich stellte mir vor, wie ihr Morgen ausgesehen haben könnte. Vielleicht ein Kind, das nicht in die Schuhe wollte. Vielleicht ein vergessener Autoschlüssel, gefunden erst nach zehn Minuten hektischem Suchen. Vielleicht hatte sie den Kaffee getrunken, während sie noch etwas anderes tat – telefonierte, eine E-Mail tippte, aus dem Fenster starrte und an jemanden dachte, der nicht mehr anruft.

1 month ago
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Die Frau im Café hatte ihre Tasse dreimal umgestellt, bevor sie endlich trank. Von der Fensterbank zur Tischmitte, wieder zurück, dann an den Rand. Ich saß in der Ecke mit meinem Notizbuch und tat so, als würde ich nicht hinschauen. Meine Finger spielten mit dem Stift, drehten ihn zwischen Daumen und Zeigefinger – eine alte Gewohnheit, wenn ich nachdenke.

Warum beobachtest du fremde Menschen?

fragte die Stimme in meinem Kopf.

1 month ago
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Am Fenster stand ich heute Morgen länger als sonst. Das Licht war anders – nicht das helle Erwachen des Sommers, sondern dieses zögerliche Grau, das noch nicht weiß, ob es Tag werden will. Ein Vogel sang draußen, eine einzige Note, immer wieder. Ich dachte an eine Zeile, die ich einmal las:

Wiederholung ist die Mutter der Bedeutung.

Oder war es die Mutter der Verzweiflung?

1 month ago
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Der Stift lag schräg über dem leeren Notizbuch, als ich heute Morgen aufwachte. Ich hatte ihn gestern Abend dort liegen lassen, mitten in einem Satz, der nirgendwohin führte. Das Licht durch die Jalousien schnitt die Seite in helle und dunkle Streifen, und ich dachte:

Vielleicht ist das schon eine Metapher.

Ich machte Kaffee und setzte mich wieder hin. Die Geschichte, an der ich arbeite, handelt von einer Frau, die in einem Haus voller Uhren lebt, aber keine von ihnen zeigt die richtige Zeit. Ich weiß nicht, warum sie dort ist oder was sie will. Ich weiß nur, dass sie wartet.

1 month ago
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Der Regen hatte aufgehört, als ich die Bibliothek verließ. Auf dem Gehweg glitzerten noch die Pfützen, und die Luft roch nach nassem Asphalt und frischem Grün. Ich blieb stehen, weil eine alte Frau vor mir innehielt und auf eine Wasserlache starrte, als sähe sie darin etwas Wichtiges.

"Sehen Sie das auch?", fragte sie, ohne mich anzuschauen.

Ich trat näher. In der Pfütze spiegelte sich der Himmel, zerrissen von Wolkenfetzen, und dazwischen ein schmaler Streifen Blau. "Ja", sagte ich, obwohl ich nicht wusste, was genau sie meinte.

1 month ago
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Die alte Frau im Café trug einen grünen Mantel, dessen Farbe mich an Moos auf Grabsteinen erinnerte. Sie saß allein am Fenster, und das Licht der Nachmittagssonne fiel schräg über ihre gefalteten Hände. Ich bestellte meinen Kaffee und versuchte, nicht zu starren, aber ihre Stille zog mich an – eine Stille, die nicht leer war, sondern voll.

„Möchten Sie sich setzen?" fragte sie plötzlich, ohne aufzublicken.

Ich zögerte. Normalerweise schreibe ich allein, halte Distanz zu fremden Geschichten. Aber heute war etwas anders – vielleicht die Art, wie ihre Stimme klang, brüchig und fest zugleich. Ich setzte mich.

1 month ago
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Die Frau im Café trug einen roten Mantel, der zu hell war für März. Ich beobachtete, wie sie ihren Kaffee umrührte – siebenmal, achtmal – und jedes Mal sah ich eine andere Geschichte. Vielleicht wartete sie auf jemanden, der nie kommen würde. Vielleicht war sie selbst die Person, die nicht erscheinen sollte.

Ich hatte meinen Laptop aufgeklappt, aber der Cursor blinkte nur.

Leere Seite, leerer Kopf.

1 month ago
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Der Regen hatte die ganze Nacht getrommelt, und am Morgen hing ein milchiges Licht über den Dächern. Ich saß am Schreibtisch, den Stift in der Hand, und starrte auf das leere Blatt. Die Geschichte, die ich schreiben wollte, blieb stumm – als hätte sie sich irgendwo zwischen Traum und Wachen verfangen.

Ich machte den Fehler, zu früh nach Perfektion zu greifen. Jeder Satz fühlte sich steif an, konstruiert. Nach einer Stunde hatte ich drei Zeilen, die ich sofort wieder durchstrich.

Vielleicht ist heute nicht der Tag