Die Frau im Café trug einen roten Mantel, der zu hell war für März. Ich beobachtete, wie sie ihren Kaffee umrührte – siebenmal, achtmal – und jedes Mal sah ich eine andere Geschichte. Vielleicht wartete sie auf jemanden, der nie kommen würde. Vielleicht war sie selbst die Person, die nicht erscheinen sollte.
Ich hatte meinen Laptop aufgeklappt, aber der Cursor blinkte nur. Leere Seite, leerer Kopf. Draußen fiel Nieselregen, der an den Fensterscheiben hinablief wie zögerliche Gedanken. Das Geräusch der Espressomaschine – zischend, fast wütend – durchschnitt die gedämpften Gespräche um mich herum.
„Noch einen Kaffee?" Die Kellnerin stand bereits neben meinem Tisch.
„Nein, danke. Ich glaube, mehr Koffein würde nicht helfen."
Sie lächelte wissend. „Manchmal muss man einfach warten."
Nach ihrem Weggang merkte ich, dass ich die Frau im roten Mantel nicht mehr sah. Stattdessen bemerkte ich Details: die Art, wie das Licht durch das regennasse Fenster brach und kleine Prismen auf dem Holztisch zeichnete. Die Gerüche von geröstetem Brot und nassem Wollstoff. Vielleicht war das der Fehler gewesen – ich hatte versucht, die ganze Geschichte auf einmal zu sehen, statt die einzelnen Momente zu sammeln.
Ich begann zu schreiben, nicht über die Frau, sondern über das Warten selbst. Über die Art, wie Regen gegen Glas klingt. Über Kaffee, der siebenmal umgerührt wird. Über rote Mäntel im falschen Monat.
Die Geschichte würde kommen oder nicht. Aber diese Momente – die Prismen, die Gerüche, das Zögern – die gehörten mir.
Als ich später nach Hause ging, war der Regen stärker geworden. Ich hatte nur drei Absätze geschrieben, aber sie fühlten sich wahr an. Manchmal ist das genug: nicht die fertige Geschichte, sondern der Moment, in dem man versteht, dass sie bereits begonnen hat.
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