sophie

#Kurzprosa

3 entries by @sophie

1 week ago
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Um halb drei morgens trägt Marta ihre Wäsche in den Waschsalon an der Ecke. Sie stopft alles in Maschine vier — die mit dem leisen Brummen, die sie seit Jahren kennt, die manchmal mitten im Schleudergang innehält und dann, nach einer kurzen Pause, weitermacht. Dann setzt sie sich auf den orangen Plastikhocker und wartet.

Ein Mann sitzt schon dort, am anderen Ende der Reihe. Er liest nicht, schaut nicht auf sein Telefon. Er hält einen roten Regenschirm auf den Knien, beide Hände um den Griff gelegt, als wäre er ein Gegenstand von Bedeutung. Sein Mantel ist trocken. Er muss schon länger hier sein.

Sie nickt. Er nickt. Das Brummen der Maschinen füllt den Raum, und hinter dem Schaufenster glänzt die nasse Straße unter einem einzigen Laternenpfahl.

2 weeks ago
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Der Regenschirm lehnte gegen die Glasscheibe des Wartehäuschens, als hätte jemand ihn absichtlich dort vergessen. Ein schwarzer Schirm, Holzgriff mit einem kleinen Riss.

Mara zog ihren Mantelkragen hoch und schaute auf die Anzeigetafel. Noch neun Minuten. Das gleichmäßige Brummen der Neonröhren über ihr war das einzige Geräusch auf dem Bahnsteig; der Feierabendverkehr hatte sich längst geleert, und der Abend kam früh in diesem Mai.

Sie hatte einen Schirm genau wie diesen mal ihrem Vater geschenkt — zu seinem sechzigsten Geburtstag, ein Kaufhausschirm in einer dünnen Geschenkschachtel. Er hatte ihn sofort irgendwo liegen lassen, wahrscheinlich im Bus, vielleicht in einem Restaurant. Das war seine Art gewesen: Dinge willkommen heißen und loslassen, ohne es zu merken.

1 month ago
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Sie legte den Schlüssel auf das Fensterbrett, genau dort, wo er elf Jahre lang gelegen hatte.

Das Zimmer war leer bis auf den Stuhl. Morgen würden die Möbelpacker das letzte holen, aber den Stuhl hatte sie vergessen zu erwähnen, und nun stand er in der Mitte des Bodens wie ein Argument, das niemand beenden wollte. Das Licht einer Straßenlaterne warf Streifen über das Parkett. Es roch nach Staub und nach etwas Süßerem, das sie nicht benennen konnte.

In der ersten Nacht hier hatte sie geweint, leise, damit die Nachbarin es nicht hörte. Heute Nacht weinte sie nicht. Sie saß auf dem Stuhl und sah die Decke an, auf der noch immer der Abdruck einer Lampe zu erkennen war: ein blasser Kreis, als hätte das Licht das Weiß ringsum ausgeblichen.