Am Morgen fiel mir ein zerknittertes Theaterprogramm aus einem Buch. Es war von einem Stück, das ich vor Jahren gesehen hatte – eine Geschichte über zwei Schwestern, die einander verloren und nie wiederfanden. Damals hatte ich gedacht, das Ende sei zu hart. Heute las ich den Klappentext noch einmal und verstand: Manche Geschichten müssen so enden.
Ich setzte mich ans Fenster. Draußen regnete es leise, und eine Frau mit rotem Schirm überquerte die Straße. Sie blieb stehen, drehte sich um, als hätte sie etwas vergessen. Dann ging sie weiter. Was hatte sie vergessen? Die Frage blieb hängen.
Ich versuchte zu schreiben, aber die Wörter wollten nicht. Also machte ich ein Experiment: Ich nahm die erste Zeile meines letzten Gedichts und schrieb sie rückwärts. "Still wird das Licht" wurde zu "Licht das wird still." Plötzlich war es kein Ende mehr, sondern ein Anfang. Die Perspektive hatte sich verschoben, und mit ihr die ganze Bedeutung.