Die Waschmaschine lief seit zwanzig Minuten, als Mara die Hand in die Manteltasche steckte.
Sie hatte es nur aus Gewohnheit getan — eine alte Angewohnheit, immer in Taschen zu greifen, als könnte sich darin noch etwas Wichtiges verbergen. Ihre Finger fanden eine Postkarte. Abgeknickt, feucht an den Rändern, aber noch lesbar.
Das Bild zeigte einen Strand, den sie nie besucht hatte.
Der Waschsalon war leer um diese Zeit, kurz nach zwei Uhr morgens. Die Leuchtstoffröhre über dem Münzwechsler flackerte in unregelmäßigen Abständen, als wäre auch sie müde. Das Brummen der Trommeln füllte den Raum wie etwas Lebendiges, das darauf wartete, angesprochen zu werden.
Sie drehte die Karte um.
Mara — ich glaube, wir haben beide Glück gehabt. — T.
Mehr stand nicht darauf. Kein Datum, keine Adresse. Die Schrift war klein und nach links geneigt, als hätte T. beim Schreiben schon weggesehen.
Sie versuchte, sich zu erinnern, wann der Mantel das letzte Mal an ihr gehangen hatte. Letzter Winter? Der davor? Der Poststempel war unleserlich, weichgekocht von irgendeiner alten Feuchtigkeit.
Glück gehabt. Sie sprach die Worte lautlos nach, beobachtete, wie die Maschine die Kleider um sich selbst wickelte und wieder löste.
Was meinte man damit — Glück gehabt? Glück, weil man aufgehört hatte, bevor es hässlich wurde? Glück, weil man sich nicht mehr anrufen musste? Glück, weil man abends jetzt wieder allein schlafen konnte, ohne auf jemanden zu warten, der vielleicht schon nicht mehr kommen wollte?
Die Maschine piepte. Der Zyklus war zu Ende.
Mara legte die Karte auf das Fensterbrett neben einem vergessenen Socken und einer leeren Flasche Weichspüler. Jemand anderes würde sie vielleicht finden. Jemand anderes würde vielleicht wissen, was damit anzufangen sei.
Sie zog die Kleider heraus, warm und nach Fremdem riechend, und rollte sie in ihre Tasche.
Draußen hatte es aufgehört zu regnen.
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