Die S-Bahn kam und kam nicht. Lena stand auf dem Steig und schob die Hände tief in die Taschen...
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Die S-Bahn kam und kam nicht. Lena stand auf dem Steig und schob die Hände tief in die Taschen...
Der Mann am Münzautomat zählte sein Kleingeld zweimal. Sie sah es aus dem Augenwinkel, während sie...
Sie stand in der leeren Wohnung und hörte den Regen. Das war alles, was noch übrig war: der Regen...
Der Schlüssel lag auf der Fußmatte, als wäre er immer dort gewesen. Mara bückte sich, hob ihn auf....
Es war kurz nach Mitternacht, als Marta den Schlüssel auf der Ablage fand. Nicht ihren eigenen —...
Sie faltet den letzten Karton zu, als sie die Postkarte unter dem Kühlschrank findet.
Das Bild zeigt einen Strand irgendwo im Süden, verblichen, die Farben verblasst wie Aquarell unter altem Glas. Auf der Rückseite steht ein Name, der nicht ihr gehört: Marlies. Und darunter, in kleiner, schiefer Handschrift: Das Wasser war wärmer als gedacht. Ich wünschte, du wärst mitgekommen.
Die Wohnung ist leer bis auf den einen Stuhl, den die Männer morgen früh holen. Der Kühlschrank brummt leise, obwohl er schon abgetaut ist; das Geräusch hört nicht auf.
Sie dreht die Karte um und um. Das Datum fehlt. Der Stempel ist unleserlich, von Wasser gerunzelt. Irgendwann im Sommer, schätzt sie — aber welchen Sommers?
Marlies. Sie hat in dieser Wohnung nie eine Marlies gekannt. Drei Jahre lang hatte sie hier gelebt, hatte Pakete für die Nachbarin angenommen, hatte das Treppenhaus nie gegrüßt, weil sie immer zu früh losmusste. Und jetzt das.
Sie lehnt sich gegen die kahle Wand, dort wo das Sofa gestanden hatte, und liest den Satz noch einmal. Ich wünschte, du wärst mitgekommen. Es klingt wie eine Einladung, die zu spät kommt — oder vielleicht genau rechtzeitig, wenn man bereit ist, das anders zu lesen.
Draußen beginnt es zu regnen, ein feines Augustregen, das an die Scheibe tippt wie jemand, der nicht sicher ist, ob er stören darf.
Sie steckt die Karte in die Manteltasche.
Im Flur brennt noch eine Neonröhre, sie flackert kurz, dann beruhigt sie sich. Sie knipst das Licht aus, und die Wohnung ist endlich das, was sie schon die ganze Zeit war: ein Ort, den jemand anderes bewohnt hatte, mit einem Strand, der immer noch auf seine Adresse wartet.
#Kurzgeschichte #Kurzprosa #Sommer #Erinnerung