Sie wartete auf ihre Wäsche und fand den Regenschirm unter der letzten Maschine in der Reihe.
Er war dunkelblau, mit einem gesplitterten Holzgriff — nicht ihrer. Sie lehnte ihn gegen die Wand und setzte sich. Die Neonröhre über ihr flackerte einmal, zweimal, blieb dann.
Der Waschsalon roch nach warmem Wasser und Waschmittelpulver. Draußen hatte es zu regnen begonnen, das leise Tippen auf dem Asphalt wie Finger auf einem Tisch. Die anderen Maschinen trommelten. Eine ältere Frau saß in der Ecke und blätterte in einer Zeitschrift, die schon beim ersten Durchblättern auseinandergefallen war. Sie blätterte trotzdem weiter.
Irgendwann hatte sie selbst so einen Schirm gehabt. Dunkelblau, Holzgriff, der nach feuchtem Holz roch, wenn er nass wurde. Sie hatte ihn in einem Café stehen lassen — oder in der S-Bahn, Linie sieben, Richtung Norden. Oder sie hatte ihn jemandem gegeben, der im Regen auf dem Bürgersteig stand und keine Hände frei hatte, und nie daran gedacht, ihn zurückzufordern. Das war die Art Mensch gewesen, die sie damals war.
Sie trat näher. Unter dem Griff klebte ein kleines Stück Klebeband, auf dem in verblasstem Kugelschreiber stand: zurückbringen. Kein Name. Keine Adresse.
Die Maschine hörte auf zu schleudern. Sie nahm ihre Wäsche heraus, feucht und warm, und legte sie in die Tasche. Den Schirm ließ sie stehen. Die ältere Frau schaute kurz auf und dann wieder auf ihre Seiten.
Draußen regnete es noch. Sie zog den Kragen hoch und dachte, dass sie früher jemand gewesen war, der solche Zettel schrieb — kleine Anweisungen an sich selbst, als wäre das Vergessen aufzuhalten. Als hätte es je geholfen.
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