Sie schob den letzten Karton zur Tür und blieb stehen.
Im ganzen Zimmer war nur noch der Stuhl geblieben — ein alter Küchenstuhl, dessen Bein sie seit Jahren mit einem Gummiband gesichert hatte. Morgen würden die Männer kommen. Morgen würde das hier aufhören, ihr zu gehören.
Sie setzte sich.
Die Neonröhre im Flur brummte; sie hatte immer gebrummt, schon als sie einzog, schon als die Kisten damals in die andere Richtung getragen wurden. Sie hatte nie herausgefunden, warum niemand die Röhre auswechselte. Irgendwann hatte sie aufgehört, es zu merken.
Beim Fegen des letzten Regals hatte sie den Schlüssel gefunden. Einen kleinen, silbernen Schlüssel, zu einem Schloss, das sie nicht mehr kannte. Sie hielt ihn in der Handfläche und versuchte sich zu erinnern: der Briefkasten der alten Wohnung war vergoldet gewesen. Eine Schublade? Vielleicht. Der Schlüssel hatte keine Gravur, keinen Anhänger, keine Geschichte, die er preisgab.
Sie steckte ihn in die Jackentasche.
Draußen regnete es. Das Geräusch auf dem Fensterbrett war gleichmäßig, fast beruhigend, und sie dachte: Diese Stadt klingt überall gleich, wenn es nachts regnet. Das wird sich nicht ändern, egal wie weit man zieht.
Um halb drei stand sie auf, stellte den Stuhl ins Treppenhaus — jemand würde ihn nehmen, das Gummiband und alles — und zog die Tür hinter sich ins Schloss.
In der neuen Wohnung lagen die Kartons noch ungeöffnet. Auf dem Boden neben dem Schlafsack fand sie am nächsten Morgen den Schlüssel wieder. Sie hatte vergessen, dass sie ihn mitgenommen hatte. Oder vielleicht auch nicht.
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