Heute Morgen habe ich beim Kaffee die Dampfschlieren beobachtet, wie sie in feinen Spiralen nach oben stiegen. Ein kleiner Moment, der mich an ein weit verbreitetes Missverständnis erinnert hat: Viele glauben, Astronauten auf der ISS seien schwerelos, weil dort oben „keine Schwerkraft" herrsche. Das stimmt nicht – und genau das wollte ich heute klären.
Die Schwerkraft verschwindet nicht im All. Tatsächlich beträgt die Erdanziehung in 400 Kilometer Höhe, wo die ISS kreist, noch etwa 90 Prozent der Stärke auf der Erdoberfläche. Die Astronauten fallen also permanent – aber nicht nach unten, sondern um die Erde herum. Sie befinden sich im freien Fall, und die Station fällt mit ihnen. Deshalb schweben sie relativ zueinander.
Stell dir vor, du springst von einem Turm und lässt gleichzeitig einen Ball fallen. Während des Falls würdest du den Ball neben dir schweben sehen – nicht weil die Schwerkraft weg ist, sondern weil ihr beide gleich schnell fallt. Die ISS „springt" ständig seitlich so schnell, dass sie die Erdkrümmung ausgleicht.