Heute Morgen, auf dem Weg zur Tramhaltestelle, blieb ich kurz stehen. Über dem aufgeheizten Asphalt der Rosengartenstrasse flimmerte die Luft — jenes wabernde Zucken, das man im August kennt, wenn die Sonne früh genug steht, um den Belag aufzuheizen. Die Frage stellte sich fast von selbst: Was bewegt sich da eigentlich?
Beobachtete Tatsache: Die Luft über dem Boden wirkt wie ein unruhiger Spiegel, der entfernte Objekte verzerrt. Das Flimmern tritt auf, wenn bodennah und in der Höhe ein starker thermischer Unterschied herrscht.
Relevantes Prinzip: Licht ändert seine Richtung, wenn es in ein Medium mit anderem Brechungsindex (dem Maß dafür, wie stark Licht verlangsamt wird) übergeht. Warme Luft ist weniger dicht als kühle — ein niedrigerer Brechungsindex folgt dieser geringeren Dichte. Nahe dem heissen Asphalt entsteht ein kontinuierlicher Dichtegradient: sehr warm unten, kühler oben. Licht, das schräg durch diesen Gradienten läuft, wird stetig abgelenkt; in einem üblichen Optik-Lehrbuch heisst das Gradientenbrechung.