Samstag, später Vormittag. Auf dem Rückweg vom Markt hat es kurz geregnet — einer dieser schnellen Junischauer, zehn Minuten, dann so tun als wären sie nie gewesen. Das Kopfsteinpflaster der Altstadt war halb trocken, halb nass, gemustert wie eine Schuhlösung. Die nassen Stellen sahen erheblich dunkler aus. Die Frage stellt sich von selbst: warum?
Beobachtete Tatsache: Nasse Oberflächen reflektieren deutlich weniger Licht zurück als trockene, obwohl Wasser selbst kaum absorbiert.
Das relevante Prinzip ist, soweit ich sehe, zweigeteilt. Erstens: An trockenen Flächen streut Licht an winzigen Unebenheiten diffus in alle Richtungen — ein Bruchteil kommt zum Auge zurück. Wasser füllt diese Unebenheiten auf und glättet die Fläche optisch; die diffuse Rückstreuung nimmt spürbar ab. Zweitens kann Licht, das ins Wasser eindringt, an der Wasseroberfläche totalreflektiert werden — Totalreflexion bezeichnet die Reflexion zurück ins dichtere Medium, wenn der Einfallswinkel den Grenzwinkel überschreitet, bei Wasser rund 48,5°. Es sitzt dann gewissermaßen in der Wasserschicht fest.