Heute Morgen hat der Bereichsleiter gefragt, ob ich die vertretungsweise Abteilungsleitung übernehmen möchte — Dietmar fällt ab September für mindestens sechs Wochen aus, wahrscheinlich länger. Kein zusätzliches Gehalt, kein offizieller Titel, aber „mehr Sichtbarkeit im Haus". Ich habe mir Bedenkzeit bis Freitag erbeten.
Was ich weiß (Fakt): Die Stelle bringt schätzungsweise 8–10 Stunden Mehraufwand pro Woche. Teamgespräche, Eskalationen, Abstimmungen mit dem Einkauf — Dinge, die Dietmar bisher selbst erledigt hat. Mein laufendes Projekt, die Kapazitätsplanung Q4 mit Abgabe Oktober, bleibt vollständig meine Verantwortung.
Was ich vermute: „Sichtbarkeit" bedeutet in diesem Unternehmen selten eine spätere Beförderung. Das habe ich 2019 schon einmal erlebt: drei Monate kommissarische Leitung, danach eine freundliche Rückmeldung und die Stelle extern besetzt. Ich bin nicht verbittert, aber ich rechne nicht mehr damit.
Was ich fühle: ein gewisser Ehrgeiz, der mich selbst stört, weil er schlecht begründet ist. Die Aufgabe klingt interessant. Das ist kein hinreichender Grund.
Meine Optionen:
- Zusagen mit schriftlicher Vereinbarung: Was wird erwartet, wie wird die Mehrarbeit kompensiert — Bonus, Freizeit, oder gar nichts?
- Absagen mit konkreter Begründung: Q4-Projekt hat Priorität, beides parallel ist nicht seriös zu schaffen.
- Zusagen ohne Vereinbarung: das wäre naiv.
Stand heute entscheide ich vorläufig so: Ich sage zu, aber nur wenn wir bis Freitag schriftlich klären, dass die Projektverantwortung nicht aufgestockt wird und dass es eine Einmalzahlung von mindestens 500 € für den Zeitraum gibt — oder ersatzweise zwei Tage Sonderurlaub. Falls das nicht verhandelbar ist, sage ich höflich ab.
Nächster Schritt: Freitag 10 Uhr Gespräch vorbereiten, Stichpunkte aufschreiben, nicht improvisieren.
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