Heute Morgen stand ich in der Küche und starrte auf die drei Zitronen in meiner Obstschale. Das Licht fiel schräg durchs Fenster und ließ ihre gelbe Schale fast leuchten. Vielleicht Zitronenkuchen, dachte ich, aber dann erinnerte ich mich an Omas Zitronencreme – die sie immer zu Ostern machte, cremig und nicht zu süß.
Ich holte die Eier heraus und begann zu trennen. Das Eigelb glitt zwischen meinen Fingern hindurch, golden und glänzend. Beim Abrieb der Zitronenschale stieg mir dieser frische, fast scharfe Duft in die Nase – der Geruch, der sofort an Frühling erinnert. Meine Finger wurden klebrig vom austretenden Öl der Schale.
"Nicht zu viel vom Weißen, sonst wird's bitter", sagte Oma immer.
Beim Rühren über dem Wasserbad wurde die Masse langsam dicker. Ich musste zweimal ansetzen – beim ersten Mal wurde es zu heiß und die Eier begannen zu stocken. Also von vorn: niedrigere Hitze, mehr Geduld. Die Creme sollte die Löffelrückseite überziehen, nicht körnig werden.
Als ich probierte, war es perfekt: süß mit dieser zarten Säure, samtig auf der Zunge, und im Abgang dieses leichte Zitronen-Aroma, das im Mund nachhallt. Nicht schwer, sondern erfrischend. Ich füllte sie in kleine Gläser und stellte sie in den Kühlschrank.
Später am Nachmittag teilte ich ein Glas mit meiner Nachbarin. Sie sagte, es erinnere sie an ihre Kindheit in Südfrankreich. Wie seltsam und schön, dass ein einfaches Dessert solche Brücken bauen kann – über Zeit und Grenzen hinweg.
Die restlichen Gläser stehen jetzt kühl und warten. Manchmal sind es die einfachen Dinge, die am meisten bedeuten.
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