Heute Morgen habe ich beim Aufwachen sofort gewusst: Es wird ein Brottag. Nicht irgendein Brot aus der Bäckerei, sondern mein eigenes Sauerteigbrot, das seit drei Tagen auf diesen Moment gewartet hat.
Als ich den Teig aus dem Kühlschrank holte, kam mir diese säuerlich-hefige Note entgegen, die mich immer an Omas Küche erinnert. Sie hatte damals keinen Kühlschrank für ihre Teigführung, sondern stellte alles in den kühlen Keller. "Die Geduld ist das Geheimnis," sagte sie immer, wenn ich als Kind ungeduldig auf das fertige Brot wartete.
Beim Formen ist mir dann ein kleiner Fehler passiert – ich habe den Teig zu fest gedrückt und etwas von der Luftigkeit verloren. Aber genau das hat mich daran erinnert, dass Perfektion nicht das Ziel ist. Das Brot wird trotzdem gut, nur eben mit einer etwas dichteren Krume.
Der Duft während des Backens hat sich durch die ganze Wohnung gezogen. Erst kam diese malzige Süße, dann die karamellisierten Noten der Kruste. Als ich das Brot aus dem Ofen nahm, war die Kruste dunkelgolden und knackte leise beim Abkühlen – dieses Singen des Brotes, wie Bäcker es nennen.
Zum Mittagessen habe ich die erste Scheibe probiert: außen knusprig mit einem leichten Widerhall beim Hineinbeißen, innen diese weiche, leicht klebrige Struktur. Der Geschmack war komplex – eine angenehme Säure, nussige Untertöne, und im Nachgeschmack blieb diese milde Süße des Mehls.
Jetzt, am Abend, sitze ich hier mit einer zweiten Scheibe, dünn mit gesalzener Butter bestrichen. Manchmal braucht es nicht mehr als das: gutes Brot, gute Butter, gute Erinnerungen.
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