Heute Morgen fiel das Licht durch mein Atelierfenster auf eine ganz besondere Weise – schräg, beinah golden, als würde es die Luft selbst einrahmen. Ich stand da mit meinem Kaffee und beobachtete, wie sich die Schatten auf der weißen Wand verschoben. Manchmal vergesse ich, dass Licht auch eine Form ist.
Ich hatte mir vorgenommen, an meiner Bleistiftskizze weiterzuarbeiten, dieser stillen Studie eines alten Stuhls. Aber ich machte einen Fehler: Ich begann zu früh mit den Schattierungen, bevor die Proportionen wirklich stimmten. Zu ungeduldig, dachte ich. Also radierte ich alles wieder weg und fing von vorne an. Diesmal langsamer. Diesmal mit mehr Vertrauen in den Prozess.
Was mir dabei auffiel: Die Zwischenräume sind genauso wichtig wie die Linien selbst. Der negative Raum um die Stuhlbeine herum erzählt genauso viel wie die Form des Holzes. Das ist etwas, das ich in der Malerei schon lange weiß, aber beim Zeichnen muss ich es mir immer wieder neu erarbeiten.