Das erste Pizzicato in Silentium — ein einzelner Ton, weit unten, dann nichts — ist der Moment, an dem ich heute Nachmittag aufgehört habe, an etwas anderes zu denken.
Ich habe die ECM-Aufnahme von Arvo Pärts Tabula Rasa (entstanden 1977, erschienen 1984) nochmals gehört: Gidon Kremer, Tatjana Grindenko, Lithuanian Chamber Orchestra, ich glaube unter Saulius Sondeckis. Ob Alfred Schnittke tatsächlich am präparierten Klavier sitzt, lasse ich heute offen — ich erinnere mich daran, bin mir aber nicht mehr sicher. Draußen regnete es. Kopfhörer, Fenster auf Kipp, kurz nach drei.
Tabula Rasa ist ein Diptychon: Ludus — Variationen, die sich spiralförmig enger ziehen, bis kaum noch Luft dazwischen ist — und dann Silentium, das sich kaum bewegt und trotzdem nirgends steht. Pärts Tintinnabuli-Prinzip: zwei Stimmen, eine melodisch geführt, eine im Dreiklang ruhend. Das Stück will keine dramatische Kurve. Es will Schichtung, Atem, das Gewicht des Ausgelassenen.