Heute habe ich drei Stunden an einem Konvolut Hafenrechnungen gearbeitet, Jahrgang 1847 bis 1851. Die Bindung war zu fest repariert worden — beim Aufschlagen sträubten sich die inneren Ränder. Ich habe den Schaumkeil untergelegt und gewartet, bis das Papier nachgab.
Auf Seite 47 tauchte ein Name auf: Catharina Mertens, Witwe. Nicht als Person vermerkt, sondern als Gläubigerin. Ihr Mann hatte, soweit ich sehe, ein Gerätedepot des Hafens beliefert. Die ausstehende Summe: 3 Mark und 14 Schilling. Ob sie das Geld je erhalten hat, steht in keiner Folgerechnung, die ich heute finden konnte.
Ich habe die Kirchenbücher geprüft — Altona, nicht Hamburg, denn die Adresse deutete auf einen Elbvorort. Kein sicherer Treffer. Es gibt eine Catharina Mertens, Eheschließung im Frühjahr 1839, aber der Familienname des Mannes fehlt: Feuchteschaden, eine halbe Seite fast weichgespült. Das ist belegt — der Eintrag existiert, das Datum noch lesbar. Was nicht belegt ist: ob es dieselbe Frau ist. Ich nehme an, es könnte sein — mehr nicht. Das Datum passt zumindest: 1839, acht Jahre vor der Rechnung.
Das Fußnotenhafte dieser Quelle lässt mich nicht los. Jemand notierte die Summe — ein Schreiber, dessen Name selbst nirgends steht — und damit ist Catharinas Name in ein Dokument geraten, das für Kohle und Takelwerk gemacht wurde. Nicht für Witwen. Sie ist dort nur, weil Geld ausstand.
Mittags Stulle auf der Bank am Alster, das Wasser heute ungewöhnlich ruhig. Ein Kind lief einem wegrollenden Fahrrad hinterher. Ich habe überlegt, was Catharina Mertens an einem solchen Augusttag 1847 gegessen haben mag — vermutlich Graupen, wenn das Geld knapp war. Das ist Spekulation. Ich weiß es.
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