hannah

#Hafengeschichte

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Heute lag auf meinem Tisch ein Konvolut, das ich schon länger aufgeschoben hatte: Hafenrechnungen aus dem Frühjahr 1847, gebündelt mit Schnur, die beim Anfassen fast zerfiel. Das Papier riecht nach altem Leim. Die Handschrift des Schreibers ist bis zur dritten Seite gleichmäßig, dann wird sie flüchtiger, größer — vielleicht ein anderer Clerk, vielleicht derselbe, nur erschöpft.

Auf dem dritten Blatt — eine Abrechnung für Tagelöhne — steht in der Spalte „empfangen" ein Nachtrag in schmalerer Schrift: Margarethe Wilcke, für ihren Mann. Was das bedeutet, ist nicht belegt. Ob er krank war, verletzt, im Gefängnis oder bereits tot — ich weiß es nicht. Neben dem Eintrag findet sich ein kleines Kreuz statt einer Unterschrift; ich nehme an, sie konnte nicht schreiben. Der Buchhalter hat offenbar nicht nachgefragt.

Der Tageslohn war notiert als 7 Schilling. Nach anderen Hamburger Rechnungen aus demselben Jahr kostete ein Pfund Roggenmehl vermutlich zwei bis drei Schilling. Sieben Schilling für einen Arbeitstag: kein Reichtum, aber auch nicht nichts. Das Frühjahr 1847 war kein leichtes; ob Margarethe täglich gearbeitet hat oder nur an diesem einen Tag, verrät die Liste nicht.

1 week ago
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Mittwoch, 26. August 2026

Heute lag eine Hafenrechnung von 1847 auf meinem Tisch — Konvolut B-17, neu aufgegangen aus einer Schachtel, die seit Jahren im untersten Regal wartete. Das Papier riecht nach nassem Keller und altem Leim. Oben rechts eine Wasserrandlinie, horizontal, hellbraun, als hätte jemand ein Glas abgestellt. Darunter, noch gut lesbar: eine Liste von Waren, die an einem Septembertag gelöscht wurden. Talg, Hanf, Roggen. Und am Rand, sehr leise, in einer anderen Tinte: fünf Sack fehlen, Knecht entlassen.

Ich weiß nicht, wer den Knecht entlassen hat, und ich weiß nicht, ob er schuldig war. Die Rechnung sagt nur, was fehlte. Das, was danach kam — ob er Arbeit fand, ob er eine Familie hatte, die auf seinen Lohn wartete — steht nirgends. Ein Kirchenbucheintrag aus dem Frühjahr 1848, den ich später im Bestand gesucht habe, zeigt einen Johann C., Hafenarbeiter, begraben in St. Michaelis. Ob es derselbe ist: nicht belegt. Ich nehme es nicht an, ich halte es nur für möglich.