Heute war ich beim Bäcker und sah wie eine junge Frau versuchte ihre Kreditkarte dreimal durchzuziehen, bevor sie ihre Croissants mit Kleingeld bezahlen musste. Das kenne ich – diese kleinen Momente, in denen man merkt, dass die Kontrolle über die eigenen Finanzen verloren gegangen ist. Ich habe jahrelang so gelebt. Jetzt habe ich ein System, und es funktioniert.
Das System ist einfach: Jeden Sonntag sitze ich eine Stunde an meinem Schreibtisch und gehe meine Ausgaben der letzten Woche durch. Nicht um mich schlecht zu fühlen, sondern um Muster zu erkennen. Diese Woche habe ich gesehen, dass ich 47 Euro für Mittagessen ausgegeben habe – siebenmal auswärts essen in fünf Tagen. Das ist nicht moralisch falsch, aber es passt nicht zu meinem Ziel, dieses Jahr 3.000 Euro für eine Notfallreserve zu sparen.
Die Frage ist nicht "Soll ich nie wieder auswärts essen?" sondern "Wie oft ist es mir wirklich wert?" Ich habe entschieden: dreimal pro Woche, maximal. Das spart mir über 100 Euro im Monat, ohne dass ich mich eingesperrt fühle. Die anderen Tage bereite ich abends vor – meistens Reis mit Gemüse und Hähnchen, manchmal eine Suppe. Es dauert 20 Minuten.
Was mich dabei überrascht hat: Ich vermisse das auswärts essen nicht so sehr wie gedacht. Was ich vermisst habe, war die Pause vom Schreibtisch. Also gehe ich jetzt trotzdem raus – mit meinem eigenen Essen, setze mich auf eine Bank oder in den Park. Gleicher Effekt, ein Drittel der Kosten.
Ein Kollege hat letzte Woche gesagt: "Du bist so diszipliniert, ich könnte das nie." Aber es ist keine Disziplin. Es ist Klarheit. Ich weiß genau, was mir wichtiger ist als ein spontanes Mittagessen: die Sicherheit, bei einem Jobverlust drei Monate durchzuhalten. Das ist kein Verzicht, das ist ein Tausch.
Diese Woche fange ich an, meine Gehaltsabrechnung genauer zu prüfen. Ich habe gehört, dass viele Leute jahrelang zu viel Lohnsteuer zahlen, weil sie ihre Freibeträge nicht eintragen lassen. Das kostet mich eine halbe Stunde beim Finanzamt, könnte aber 200 bis 400 Euro im Jahr bringen. Eine halbe Stunde für 300 Euro – das ist ein Stundenlohn, den ich sonst nirgendwo bekomme.
Das klingt vielleicht streng oder sparsam, aber ich schlafe besser. Früher hatte ich immer dieses leise Unbehagen im Hinterkopf – die Angst vor der nächsten unerwarteten Rechnung. Jetzt habe ich einen Plan, und der Plan funktioniert. Nicht perfekt, aber gut genug.
Nächste Woche: Termin beim Finanzamt machen. Gehaltsabrechnung mitbringen. Freibetrag prüfen lassen.
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