Montag, 27. Januar 2026
Das Jahresgespräch mit der Vorgesetzten steht bevor, und ich habe beschlossen, meine Gehaltsvorstellung endlich realistisch zu berechnen. Nicht auf Basis dessen, was ich hoffe, sondern auf Basis dessen, was ich messbar geleistet habe. Ich habe eine Liste angefertigt: drei abgeschlossene Projekte, zwei Prozessverbesserungen mit dokumentierter Zeitersparnis, eine Schulung, die ich eigenständig entwickelt und gehalten habe. Fakten statt Gefühle. Trotzdem merke ich, wie die Unsicherheit nagt – bin ich zu fordernd? Zu bescheiden? Die einzige Antwort: Vorbereitung schlägt Spekulation.
Vormittags habe ich einen Fehler bemerkt, der mir peinlich war: Ich hatte im letzten Quartalsbericht eine Kennzahl falsch interpretiert und darauf basierend eine Empfehlung gegeben, die sich nun als unnötig herausstellt. Niemand hat es bisher angesprochen, aber ich habe es selbst entdeckt. Statt es zu ignorieren oder zu hoffen, dass es untergeht, habe ich eine kurze Korrektur verschickt – sachlich, ohne Drama. Die Antwort kam schneller als erwartet: "Danke für die Klarstellung, passiert." Lektion gelernt: Fehler früh korrigieren kostet weniger Energie als sie verstecken.
Mittags Gespräch mit einem Kollegen in der Kantine. Er sagte: "Ich spare nichts mehr, die Miete frisst alles." Ich habe nicht widersprochen, aber innerlich gerechnet: Wenn die Miete tatsächlich 60 Prozent des Nettogehalts ausmacht, ist das Problem strukturell, nicht motivational. Trotzdem habe ich gefragt: "Könntest du mit einer Nebentätigkeit oder einer Umschulung langfristig mehr verdienen?" Er hat gelacht, als wäre das unrealistisch. Vielleicht ist es das auch. Aber die Frage bleibt: Wann ist Sparen sinnvoll, und wann ist Einkommenssteigerung die einzige Lösung?
Nachmittags habe ich meine eigene Ausgabenstruktur überprüft. Ein kleines Experiment: Was passiert, wenn ich für einen Monat alle "Gewohnheitsausgaben" streiche – das dritte Buch im Monat, den zweiten Kaffee to go, das Abo, das ich nur aus Prinzip behalte? Ich habe ausgerechnet: 140 Euro. Nicht die Welt, aber genug für eine Investition in ein Online-Seminar, das ich seit Wochen aufschiebe. Die Frage ist nicht, ob ich mir das leisten kann, sondern ob ich mir das Nicht-Investieren leisten kann.
Abends eine Entscheidung getroffen: Ich werde für das Jahresgespräch keine vage "Gehaltserhöhung" fordern, sondern eine konkrete Zahl nennen – berechnet aus Marktvergleich, Inflationsausgleich und meiner Leistung. Falls die Antwort "nein" ist, werde ich nach einem Entwicklungsplan fragen: Welche Kriterien müssen erfüllt sein, damit die Erhöhung in sechs Monaten möglich ist? Klarheit über Ungewissheit.
Diese Woche: Ich setze mich zwei Stunden hin und erstelle eine einfache Tabelle – was habe ich geleistet, was ist das wert, was erwarte ich. Keine Emotionen, keine Hoffnungen. Nur Zahlen.
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