Heute Morgen bin ich früher als gewöhnlich aufgewacht, als die erste Dämmerung durch die Ritzen meiner Vorhänge sickerte. Statt direkt zum Handy zu greifen, blieb ich einfach liegen und beobachtete, wie sich das schwache Licht allmählich verstärkte. Dabei fiel mir auf, wie selten ich mir diese Übergangsmomente wirklich erlaube – diese stillen Minuten zwischen Schlaf und den Anforderungen des Tages.
Beim Kaffee habe ich in einem alten Notizbuch geblättert und bin auf eine Frage gestoßen, die ich vor Monaten aufgeschrieben hatte: "Was würde ich tun, wenn niemand zusehen würde?" Interessanterweise konnte ich sie damals nicht beantworten. Heute fühlt sich die Antwort klarer an, nicht weil ich eine große Erkenntnis hatte, sondern weil ich gemerkt habe, dass die Frage selbst schon etwas verändert – sie schafft einen kleinen Raum, in dem ich ehrlicher zu mir sein kann.
Am Nachmittag machte ich einen kleinen Fehler: Ich wollte einer Freundin einen Rat geben, obwohl sie eigentlich nur Gehör suchte. "Hast du vielleicht schon mal daran gedacht…?", begann ich. Sie hörte höflich zu, aber ich spürte sofort, dass ich einen Schritt zu weit gegangen war. Also hielt ich inne und sagte einfach: "Entschuldigung, eigentlich wollte ich nur sagen, dass ich verstehe, wie schwierig das sein muss." Die Erleichterung in ihrem Gesicht war unmittelbar. Manchmal ist das Schweigen die klügere Antwort.