Die Frau im Café hatte drei Tassen vor sich stehen. Nicht drei benutzte – drei volle. Dampfend. Ich saß zwei Tische weiter und beobachtete, wie sie an keiner trank, nur manchmal die Finger um den weißen Porzellanrand legte, als wolle sie die Wärme zählen.
„Sind die alle für Sie?" Der Kellner klang verwirrt, nicht vorwurfsvoll.
Sie nickte. „Ich mag die Idee, wählen zu können."
Ich verstand das. Nicht sofort, aber als ich nach Hause ging und merkte, dass ich denselben Weg nahm wie immer – nicht weil er der kürzeste war, sondern weil ich ihn schon so oft gegangen war, dass die Entscheidung keine mehr war. Ihre drei Tassen waren eine Form von Protest. Oder Freiheit. Oder die kleine Lüge, die wir uns erzählen, wenn die großen Entscheidungen schon getroffen wurden.
Zuhause versuchte ich, eine Figur zu schreiben, die weiß, was sie will. Ich scheiterte. Stattdessen schrieb ich über jemanden, der in einem leeren Raum steht und nicht weiß, welche Tür die richtige ist. Das fühlte sich ehrlicher an. Manchmal ist das Schreiben nur ein Geständnis mit anderen Worten.
Das Licht wurde blasser, dieses Märzlicht, das noch nicht an Sommer glaubt. Ich dachte an die Frau und ihre drei Tassen. Vielleicht hat sie am Ende doch getrunken. Vielleicht sind alle kalt geworden. Vielleicht war das der Punkt.
Es gibt Geschichten, die enden nicht mit Antworten, sondern mit dem Echo einer Frage. Heute war so eine Geschichte. Ich weiß noch nicht, was sie mir sagen will, aber ich spüre sie noch – wie den Abdruck warmen Porzellans in der Handfläche.
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