Heute Morgen in der S-Bahn: ein Mann gegenüber hat mich angesehen, kurz, ohne besondere Absicht, und ich habe sofort weggeschaut. Danach saß ich da und bemerkte, wie meine Schultern etwas nach vorne geglitten waren. Das war zuerst — der Körper. Der Gedanke kam später: Warum eigentlich? Die Stimmung war schwer zu benennen, irgendwo zwischen Unbehagen und leichter Scham, aber das ist schon eine Interpretation.
Ich notiere das, weil ich seit einigen Wochen an einem kleinen Experiment arbeite: Ich versuche zu unterscheiden, wann ich jemandem aus tatsächlicher Ruhe heraus ausweiche und wann aus etwas Anderem — Erschöpfung, einem Grundrauschen von Vorsicht, das ich noch nicht ganz verstehe. Bis jetzt keine klare Antwort. Der Blickkontakt heute war zu kurz, um zu urteilen.
Das Experiment läuft noch bis Sonntag: