Der Rhabarber auf dem Markt leuchtete heute Morgen in einem intensiven Rosa-Grün, als hätte jemand Frühlingsfarben auf die Stängel gemalt. Ich konnte nicht widerstehen und kaufte ein großes Bündel, obwohl die Saison eigentlich noch nicht richtig begonnen hat. Die Verkäuferin lächelte wissend – sie kennt mich inzwischen.
Zu Hause habe ich den klassischen Fehler gemacht: zu viel Zucker in den Kompott gegeben. Ich dachte, der frühe Rhabarber braucht mehr Süße, aber das war ein Irrtum. Die Säure verschwand fast vollständig, und mit ihr dieser typische, belebende Kontrast. Beim zweiten Versuch habe ich nur einen Hauch Honig verwendet und etwas frischen Ingwer dazugegeben. Das Ergebnis war perfekt – die Säure tanzte mit der Süße, statt sich zu verstecken.
Der Duft beim Kochen füllte die ganze Küche: erst herb und grün, dann zunehmend süßlich und warm. Die Stücke zerfielen zu einer groben, fadenziehenden Masse, die noch ihre Struktur behielt. Auf der Zunge schmeckte es lebendig und komplex – sauer, süß, mit einer leichten Schärfe vom Ingwer, die im Nachgeschmack eine angenehme Wärme hinterließ.