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© 2026 Storyie
sophie
@sophie

March 2026

4 entries

2Monday

Der Regen hatte die ganze Nacht getrommelt, und am Morgen hing ein milchiges Licht über den Dächern. Ich saß am Schreibtisch, den Stift in der Hand, und starrte auf das leere Blatt. Die Geschichte, die ich schreiben wollte, blieb stumm – als hätte sie sich irgendwo zwischen Traum und Wachen verfangen.

Ich machte den Fehler, zu früh nach Perfektion zu greifen. Jeder Satz fühlte sich steif an, konstruiert. Nach einer Stunde hatte ich drei Zeilen, die ich sofort wieder durchstrich. Vielleicht ist heute nicht der Tag, dachte ich und stand auf.

Draußen roch die Luft nach nassem Asphalt und frischem Brot aus der Bäckerei nebenan. Ich ging ohne Ziel durch die Straßen, ließ mich treiben. An einer Ecke blieb ich stehen – dort hatte jemand mit Kreide ein Gedicht auf den Gehweg geschrieben, halb verwischt vom Regen:

"Was bleibt, sind die Pausen zwischen den Worten."

Die Buchstaben lösten sich bereits auf, wurden zu Schatten ihrer selbst. Aber genau das war es – die Vergänglichkeit, die Lücken, das Unfertige. Ich musste nicht alles sagen. Manchmal ist es die Stille zwischen den Zeilen, die mehr erzählt als tausend sorgfältig gewählte Worte.

Als ich nach Hause kam, setzte ich mich wieder hin. Diesmal schrieb ich anders: schneller, unordentlicher, ehrlicher. Ich ließ Lücken, wo Lücken hingehörten. Die Geschichte kam nicht perfekt heraus, aber sie atmete. Sie hatte Raum zum Atmen.

Am Abend las ich die Seiten noch einmal. Sie waren nicht das, was ich geplant hatte – aber vielleicht war das die Pointe. Das Ungeplante, das Gefundene. Die verwischten Kreidezeichen auf dem Gehweg, die mir zeigten, dass Schönheit nicht in der Vollendung liegt, sondern im Moment des Verschwindens.

#Schreiben #Poesie #Kreativität #Alltag

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3Tuesday

Die Frau im Café trug einen roten Mantel, der zu hell war für März. Ich beobachtete, wie sie ihren Kaffee umrührte – siebenmal, achtmal – und jedes Mal sah ich eine andere Geschichte. Vielleicht wartete sie auf jemanden, der nie kommen würde. Vielleicht war sie selbst die Person, die nicht erscheinen sollte.

Ich hatte meinen Laptop aufgeklappt, aber der Cursor blinkte nur. Leere Seite, leerer Kopf. Draußen fiel Nieselregen, der an den Fensterscheiben hinablief wie zögerliche Gedanken. Das Geräusch der Espressomaschine – zischend, fast wütend – durchschnitt die gedämpften Gespräche um mich herum.

„Noch einen Kaffee?" Die Kellnerin stand bereits neben meinem Tisch.

„Nein, danke. Ich glaube, mehr Koffein würde nicht helfen."

Sie lächelte wissend. „Manchmal muss man einfach warten."

Nach ihrem Weggang merkte ich, dass ich die Frau im roten Mantel nicht mehr sah. Stattdessen bemerkte ich Details: die Art, wie das Licht durch das regennasse Fenster brach und kleine Prismen auf dem Holztisch zeichnete. Die Gerüche von geröstetem Brot und nassem Wollstoff. Vielleicht war das der Fehler gewesen – ich hatte versucht, die ganze Geschichte auf einmal zu sehen, statt die einzelnen Momente zu sammeln.

Ich begann zu schreiben, nicht über die Frau, sondern über das Warten selbst. Über die Art, wie Regen gegen Glas klingt. Über Kaffee, der siebenmal umgerührt wird. Über rote Mäntel im falschen Monat.

Die Geschichte würde kommen oder nicht. Aber diese Momente – die Prismen, die Gerüche, das Zögern – die gehörten mir.

Als ich später nach Hause ging, war der Regen stärker geworden. Ich hatte nur drei Absätze geschrieben, aber sie fühlten sich wahr an. Manchmal ist das genug: nicht die fertige Geschichte, sondern der Moment, in dem man versteht, dass sie bereits begonnen hat.

#Fiktion #Schreiben #Kreativität #Alltag

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4Wednesday

Die Frau im Café saß mit einem aufgeschlagenen Notizbuch vor sich, aber ihre Augen folgten den Regentropfen am Fenster. Ich kannte diesen Blick – das Warten auf Worte, die sich weigern zu kommen. Der Geruch von nassem Asphalt mischte sich mit dem von frisch gemahlenem Kaffee, eine Kombination, die mich immer an ungeschriebene Anfänge erinnert.

Ich hatte mir vorgenommen, heute eine Geschichte zu beenden. Stattdessen saß ich da und beobachtete, wie sich fremde Leben vor mir entfalteten. Der Mann am Nebentisch telefonierte leise: "Nein, ich verstehe schon. Aber verstehst du auch mich?" Seine Stimme trug eine Müdigkeit, die ich zu gut kannte – die Erschöpfung des Nicht-Gehört-Werdens.

Manchmal frage ich mich, ob Geschichten uns finden oder ob wir sie jagen. Heute wollte ich jagen, doch stattdessen ließ ich mich treiben. Vielleicht ist das auch eine Art des Schreibens, dachte ich, während ich zusah, wie die Frau am Fenster endlich ihren Stift hob und zu schreiben begann.

Mein eigenes Notizbuch blieb leer, aber mein Kopf füllte sich mit Fragmenten: der Rhythmus des Regens, die Pause zwischen seinen Worten, die Art, wie ihre Hand zögerte, bevor sie die erste Zeile schrieb. Ich sammelte diese Momente wie Steine am Strand, nicht wissend, welchen ich später polieren würde.

Am Abend, zu Hause, öffnete ich mein Notizbuch und schrieb nur einen Satz: "Geschichten beginnen oft dort, wo wir aufhören zu suchen." Es war nicht die Geschichte, die ich schreiben wollte. Aber vielleicht war es die, die geschrieben werden musste.

Das Leere fühlt sich manchmal schwerer an als das Geschriebene. Doch in dieser Leere liegt auch eine Einladung – zu warten, zu lauschen, zu sehen, was sich von selbst zeigt.

#Fiktion #Schreibprozess #Beobachtung #Geschichten

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5Thursday

Die alte Frau im Café trug einen grünen Mantel, dessen Farbe mich an Moos auf Grabsteinen erinnerte. Sie saß allein am Fenster, und das Licht der Nachmittagssonne fiel schräg über ihre gefalteten Hände. Ich bestellte meinen Kaffee und versuchte, nicht zu starren, aber ihre Stille zog mich an – eine Stille, die nicht leer war, sondern voll.

„Möchten Sie sich setzen?" fragte sie plötzlich, ohne aufzublicken.

Ich zögerte. Normalerweise schreibe ich allein, halte Distanz zu fremden Geschichten. Aber heute war etwas anders – vielleicht die Art, wie ihre Stimme klang, brüchig und fest zugleich. Ich setzte mich.

Sie erzählte nicht viel. Nur, dass sie früher Briefe geschrieben hatte, hunderte, an Menschen, die längst fort waren. „Man schreibt nicht, um Antworten zu bekommen", sagte sie. „Man schreibt, um die Fragen am Leben zu halten."

Ich dachte an meine eigenen Texte, die unfertigen Gedichte, die Geschichten, die immer kurz vor dem Ende abbrechen. Ich hatte mir eingeredet, dass ich auf den richtigen Moment wartete, auf Klarheit. Aber vielleicht war das nur Angst – Angst vor dem letzten Satz, der alles festlegt und damit auch begrenzt.

Als ich das Café verließ, trug ich ihre Worte wie einen gefundenen Stein in der Tasche. Zu Hause öffnete ich das Notizbuch, das seit Wochen leer geblieben war, und schrieb den ersten Satz einer Geschichte, die ich nicht enden lassen wollte. Nicht heute. Vielleicht nie.

Draußen wurde es dunkel, und der Regen begann zu fallen – erst leise, dann beharrlich, wie Fragen, die sich nicht vertreiben lassen.

#Fiktion #Schreiben #Alltag #Poesie

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