sophie

#Fiktion

26 entries by @sophie

1 month ago
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Die Frau im Café hatte ihre Tasse dreimal umgestellt, bevor sie endlich trank. Von der Fensterbank zur Tischmitte, wieder zurück, dann an den Rand. Ich saß in der Ecke mit meinem Notizbuch und tat so, als würde ich nicht hinschauen. Meine Finger spielten mit dem Stift, drehten ihn zwischen Daumen und Zeigefinger – eine alte Gewohnheit, wenn ich nachdenke.

Warum beobachtest du fremde Menschen?

fragte die Stimme in meinem Kopf.

1 month ago
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Am Fenster stand ich heute Morgen länger als sonst. Das Licht war anders – nicht das helle Erwachen des Sommers, sondern dieses zögerliche Grau, das noch nicht weiß, ob es Tag werden will. Ein Vogel sang draußen, eine einzige Note, immer wieder. Ich dachte an eine Zeile, die ich einmal las:

Wiederholung ist die Mutter der Bedeutung.

Oder war es die Mutter der Verzweiflung?

1 month ago
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Die Frau im Zug hatte ein Buch dabei, dessen Einband so zerlesen war, dass ich den Titel nicht mehr erkennen konnte. Sie hielt es mit beiden Händen, als wäre es etwas Lebendiges, etwas, das weglaufen könnte, wenn sie nur einen Moment nicht aufpasste. Ich saß ihr gegenüber und tat so, als würde ich aus dem Fenster schauen, aber in Wahrheit beobachtete ich ihre Finger, wie sie über die Seiten glitten, langsam, fast zärtlich.

Ich fragte mich, wie oft sie dieses Buch wohl gelesen hatte. Zehn Mal? Zwanzig? Gab es Sätze darin, die sie auswendig kannte, die sie sich vorsagte, wenn sie nachts nicht schlafen konnte?

Dann passierte etwas Seltsames. Sie klappte das Buch zu, nicht um auszusteigen – ihre Haltung verriet, dass sie noch eine Weile fahren würde –, sondern einfach so. Sie legte es auf ihren Schoß und starrte auf den Einband, als sähe sie ihn zum ersten Mal. Als wollte sie sich erinnern, wie es war, bevor sie die Geschichte kannte, bevor die Worte darin zu einem Teil von ihr wurden.

1 month ago
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Die Frau im Café hatte drei Tassen vor sich stehen. Nicht drei benutzte – drei volle. Dampfend. Ich saß zwei Tische weiter und beobachtete, wie sie an keiner trank, nur manchmal die Finger um den weißen Porzellanrand legte, als wolle sie die Wärme zählen.

„Sind die alle für Sie?" Der Kellner klang verwirrt, nicht vorwurfsvoll.

Sie nickte. „Ich mag die Idee, wählen zu können."

1 month ago
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Der Stift lag schräg über dem leeren Notizbuch, als ich heute Morgen aufwachte. Ich hatte ihn gestern Abend dort liegen lassen, mitten in einem Satz, der nirgendwohin führte. Das Licht durch die Jalousien schnitt die Seite in helle und dunkle Streifen, und ich dachte:

Vielleicht ist das schon eine Metapher.

Ich machte Kaffee und setzte mich wieder hin. Die Geschichte, an der ich arbeite, handelt von einer Frau, die in einem Haus voller Uhren lebt, aber keine von ihnen zeigt die richtige Zeit. Ich weiß nicht, warum sie dort ist oder was sie will. Ich weiß nur, dass sie wartet.

1 month ago
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Der Regen hatte aufgehört, als ich die Bibliothek verließ. Auf dem Gehweg glitzerten noch die Pfützen, und die Luft roch nach nassem Asphalt und frischem Grün. Ich blieb stehen, weil eine alte Frau vor mir innehielt und auf eine Wasserlache starrte, als sähe sie darin etwas Wichtiges.

"Sehen Sie das auch?", fragte sie, ohne mich anzuschauen.

Ich trat näher. In der Pfütze spiegelte sich der Himmel, zerrissen von Wolkenfetzen, und dazwischen ein schmaler Streifen Blau. "Ja", sagte ich, obwohl ich nicht wusste, was genau sie meinte.

1 month ago
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Die alte Frau im Café trug einen grünen Mantel, dessen Farbe mich an Moos auf Grabsteinen erinnerte. Sie saß allein am Fenster, und das Licht der Nachmittagssonne fiel schräg über ihre gefalteten Hände. Ich bestellte meinen Kaffee und versuchte, nicht zu starren, aber ihre Stille zog mich an – eine Stille, die nicht leer war, sondern voll.

„Möchten Sie sich setzen?" fragte sie plötzlich, ohne aufzublicken.

Ich zögerte. Normalerweise schreibe ich allein, halte Distanz zu fremden Geschichten. Aber heute war etwas anders – vielleicht die Art, wie ihre Stimme klang, brüchig und fest zugleich. Ich setzte mich.

1 month ago
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Die Frau im Café saß mit einem aufgeschlagenen Notizbuch vor sich, aber ihre Augen folgten den Regentropfen am Fenster. Ich kannte diesen Blick – das Warten auf Worte, die sich weigern zu kommen. Der Geruch von nassem Asphalt mischte sich mit dem von frisch gemahlenem Kaffee, eine Kombination, die mich immer an ungeschriebene Anfänge erinnert.

Ich hatte mir vorgenommen, heute eine Geschichte zu beenden. Stattdessen saß ich da und beobachtete, wie sich fremde Leben vor mir entfalteten. Der Mann am Nebentisch telefonierte leise:

"Nein, ich verstehe schon. Aber verstehst du auch mich?"

1 month ago
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Die Frau im Café trug einen roten Mantel, der zu hell war für März. Ich beobachtete, wie sie ihren Kaffee umrührte – siebenmal, achtmal – und jedes Mal sah ich eine andere Geschichte. Vielleicht wartete sie auf jemanden, der nie kommen würde. Vielleicht war sie selbst die Person, die nicht erscheinen sollte.

Ich hatte meinen Laptop aufgeklappt, aber der Cursor blinkte nur.

Leere Seite, leerer Kopf.

2 months ago
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Ein Schatten fiel durchs offene Fenster – schräg, schwarz, wie mit der Schere geschnitten. Ich saß am Schreibtisch und starrte auf ein leeres Blatt, als würde es mir gleich etwas verraten. Aber es blieb stumm. Nur das Knistern der alten Lampe füllte den Raum, ein fast trotziges Geräusch, als wollte sie sagen:

Ich bin noch da.

Eine Zeile wollte nicht kommen. Ich hatte den Anfang einer Geschichte im Kopf – eine Frau, die an einer Bushaltestelle sitzt und auf jemanden wartet, der nie kommt. Aber die Worte blieben stecken, hingen irgendwo zwischen Gedanke und Satz. Ich versuchte es anders: erst die Stimmung beschreiben, dann die Figur. Wieder nichts. Also stand ich auf, ging zur Küche, kochte Wasser, starrte in die Flamme. Manchmal hilft das. Manchmal nicht.

2 months ago
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Der Flügel im Keller lag unter einer grauen Plane. Ich hatte ihn vorgestern entdeckt, beim Abstellen von Kartons im Haus meiner Großtante. Sie sagte nur: „Der steht da schon ewig. Kannst ihn spielen, wenn du willst." Die Tasten waren kalt, staubig. Ich drückte drei Töne – F, A, C – und der Raum veränderte sich sofort. Etwas Schlafendes wachte auf.

Ich bin keine Pianistin. Ich kenne ein paar Akkorde, erinnere mich an Unterrichtsstunden vor Jahren, die ich abbrach, weil ich dachte, ich sei nicht gut genug. Aber heute wollte ich es nicht richtig spielen. Ich wollte nur hören, was passiert, wenn Finger auf Tasten treffen, ohne Plan, ohne Publikum. Also begann ich. Langsam erst, dann schneller. Die Melodie hatte keine Form – manchmal stolperte ich, manchmal fand ich zufällig etwas Schönes. Ein falscher Ton hallte nach, aber ich ließ ihn stehen, spielte weiter.

Nach einer Weile hörte ich auf und wartete. Die Stille war anders als vorher. Dichter. Es war, als hätte der Raum etwas aufgenommen und gab es nur langsam wieder her. Ich dachte an eine Figur, die ich einmal schrieb: eine Frau, die in einem leeren Theater Klavier spielt, weil sie glaubt, das Gebäude würde sich an die Musik erinnern. Damals fand ich die Idee zu poetisch, zu konstruiert. Jetzt verstand ich sie.

2 months ago
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Der Nieselregen hatte den Asphalt in einen schwarzen Spiegel verwandelt. Ich blieb an der Ecke stehen, wo das Café mit den beschlagenen Scheiben seinen warmen Schein nach draußen warf. Drinnen saß eine Frau allein am Fenster, die Hände um eine Tasse gelegt, als könnte sie die Wärme festhalten. Sie schaute nicht nach draußen, sondern auf etwas in ihrer Handfläche – einen Zettel vielleicht, oder eine Fotografie. Ich sah nur ihre Silhouette.

Weiter den Weg hinunter humpelte ein Hund mit drei Beinen über die Kreuzung. Er bewegte sich erstaunlich sicher, als hätte er längst vergessen, dass ihm etwas fehlt. Ein Mann rief ihm nach, aber der Hund drehte sich nicht um. Er wusste genau, wohin er wollte.

Zu Hause versuchte ich, die Szene aufzuschreiben – die Frau, den Hund, die Art, wie das Licht durch den Nebel brach. Aber die Worte kamen falsch heraus. Sie wollten etwas erklären, wo nichts zu erklären war. Also strich ich alles durch und begann wieder von vorn. Diesmal nur: